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Inklusions-Projekt

"Ich will auch heiraten!"

Implementierung passgenauer Angebote in der Schwangerschaftskonflikt- und allgemeinen Schwangerschaftsberatung bei Menschen mit geistiger Behinderung

Im März 2013 startete donum vitae mit dem Inklusionsprojekt „Ich will auch heiraten!“, in dem es darum geht, passgenaue Angebote bei Menschen mit geistiger Behinderung in Beratung und Sexualpädagogik zu entwickeln. Das Projekt ist auf drei Jahre angelegt und wird gefördert durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Bereits in den Projekten „Psychosoziale Beratung im Kontext von Pränataldiagnostik“ des Bundesverbandes und in dem Kooperationsprojekt des Landesverbandes Bayern „Unter anderen Umständen schwanger“ hat donum vitae Maßnahmen und Angebote entwickelt, um Familien und Paare zu begleiten, die ein behindertes Kind erwarten oder bereits geboren haben. In der Folge ist nun das Ziel, das Beratungsangebot von donum vitae für Menschen mit geistiger Behinderung durch das Projekt „Ich will auch heiraten“ zu qualifizieren, um so den Prozess der Inklusion mitzugestalten.


Jede/r hat ein Recht auf Beratung
Das Schwangerschaftskonfliktgesetz führt in § 2 aus, dass jede Frau und jeder Mann das Recht hat, sich in Fragen der Schwangerschaft, Sexualaufklärung, Verhütung und Familienplanung beraten zu lassen.
Die UN- Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung und der Nationale Aktionsplan zur Umsetzung dieser Konvention fordern im Kern die Umsetzung der universellen Menschenrechte für die speziellen Bedürfnisse und Lebenslagen von Menschen mit Behinderung. Volle und wirksame Teilhabe an der Gesellschaft und Einbeziehung in die Gesellschaft – auch in Bezug auf Partnerschaft und Sexualität – müssen gewährleistet werden.

Ziele des Projektes
Frauen und Männer mit geistiger Behinderung, deren Familien sowie MitarbeiterInnen von Einrichtungen für Menschen mit Behinderung sind die Zielgruppen dieses Projektes.
Bereits bestehende Beratungs- und sexualpädagogische Angebote von donum vitae werden an die Bedürfnisse von Menschen mit geistiger Behinderung angepasst und weiter entwickelt.
In der Studie „Lebenssituationen und Belastungen von Frauen mit Beeinträchtigungen und Behinderung in Deutschland“ wurde deutlich, dass insbesondere Frauen mit Behinderung vielfältigen Formen von Diskriminierung und struktureller Gewalt ausgesetzt sind und daher Schutz- und Unterstützungsangebote bereit gestellt werden müssen.

Ziel des Projektes „Ich will auch heiraten!“ ist es, gemeinsam mit den Beraterinnen und Beratern der Modellberatungsstellen zielgruppenspezifische, niedrigschwellige und bedarfsgerechte Maßnahmen und Unterstützungsangebote zu konzipieren, die den Frauen und Männern mit Behinderung ermöglichen, z.B. selbstständig eine Beratungsstelle zu erreichen, Inhalte in Beratung und Sexualpädagogik zu verstehen und in die Lage versetzt werden, aufgrund der Beratung eigene Entscheidungen zu fällen. Diese Maßnahmen helfen mit, Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein zu stärken. Das Wissen um eigene Rechte und das Bewusstsein über sich, den eigenen Körper und die eigene Rolle bilden Schutzfaktoren und tragen zu einem nachhaltigen Abbau von Gewalt und Diskriminierung bei.



Die Beratungskompetenz der BeraterInnen wird erweitert um zielgruppenspezifisches Fachwissen u.a. durch die Vermittlung bereits vorhandener Studien- und Forschungsergebnisse. Der Einsatz von entsprechenden Arbeitshilfen ermöglicht eine anschauliche Kommunikation. Eine große Herausforderung in Beratung und Sexualpädagogik ist die Kommunikation, da von Nonverbalität bis differenzierter Sprache viele Varianten möglich sind. Fachkräfte der Beratungsstellen erwerben in Fortbildungen Kenntnisse der Leichten Sprache und üben diese ein. Sie beraten in Leichter Sprache insbesondere zu den Themen Schwangerschaft, Schwangerschaftskonflikt, Sexualaufklärung, Eheschließung und Familiengründung sowie finanzielle Hilfen. Sie informieren über Angebote von Sexualassistenz, Sexualbegleitung und begleiteter Elternschaft.
Zur Kompetenz, in Leichter Sprache zu beraten, sind darüber hinaus methodische Vielfalt und Prozessorientierung gefragt, die ebenfalls in Fortbildungen und Workshops bearbeitet werden.
Im Beratungssetting muss berücksichtigt werden, dass Frauen und Männer mit geistiger Behinderung häufig unter gesetzl. Betreuung stehen. Umfeld- und Netzwerkberatung stellen spezifische Anforderungen an die BeraterInnen. Es gilt, ggf. Eltern und/oder MitarbeiterInnen von Einrichtungen in die Beratung mit einzubeziehen.

Sensibel zu betrachten sind dabei auch die Fragen nach Verhütung und Kinderwunsch. In diesen Fragen kann es zu Interessenkollisionen kommen durch das z.T. bestehende Abhängigkeitsverhältnis der Erwachsenen mit geistiger Behinderung von den gesetzlichen Betreuern und ggf. auch MitarbeiterInnen der Einrichtungen.
donum vitae setzt sich auch mit diesem Projekt ein für die Verbesserung des Lebensschutzes und den Wert des ungeborenen Lebens.

Ausgehend von acht Modellberatungsstellen inkl. der Online-Beratungsstelle soll ein bundesweites Netzwerk passgenauer Angebote bei donum vitae geschaffen werden.
Dabei werden Kooperationen mit Einrichtungen, Schulen, Werkstätten und Beratungsstellen der Behindertenhilfe angestrebt.
Projektumsetzung
Der Prozess zur Entwicklung und Implementierung passgenauer Angebote wird vom Bundesverband gesteuert. Dazu gehören die Auftaktveranstaltung, ein Fachtag in 2016, Rundbriefe und Fachinformationen, die auf den unterschiedlichen Ebenen des Verbandes kommuniziert werden. Im Rahmen des Projektes ist eine bundesweite Umfrage der donum vitae Beratungsstellen erfolgt, um den konkreten Bedarf vor Ort zu erheben und damit Rahmenbedingungen für barrierefreie Beratung und sexualpädagogische Angebote zu erarbeiten. Daran angeschlossen hat sich das Auswahlverfahren für die Modellberatungsstellen. Diese sind über das gesamte Bundesgebiet verteilt.

Zur Vernetzung der Modellberatungsstellen wird auf Bundesverbandsebene ein jährlicher Workshop installiert, an dem die BeraterInnen der Modellberatungsstellen teilnehmen. Der Workshop hat die Aufgabe, Ergebnisse zu evaluieren, sich fachlich auszutauschen und das Projekt weiter zu entwickeln. Thematisch relevante Fortbildungen werden im laufenden Projekt zur Stärkung der Kompetenzen der BeraterInnen durchgeführt. In den Modellberatungsstellen vor Ort werden die jeweiligen Schwerpunkte des Projektes erarbeitet und durchgeführt.
Im Rahmen des Projektes wurde ein Projektbeirat gebildet, der die Aufgabe hat, den Inklusionsprozess mit ExpertInnen in eigener Sache zu gestalten, die erzielten Ergebnisse der einzelnen Meilensteine zu reflektieren und die Interessen und Perspektiven von Menschen mit geistiger Behinderung in die Arbeit mit einfließen zu lassen.
Das Projekt wird wissenschaftlich begleitet durch die Universität Leipzig. Ziel ist der unabhängige, wissenschaftliche und externe Blick auf das Projekt. Dazu werden Indikatoren entwickelt, an Hand derer zu überprüfen ist, welche Ergebnisse durch das Projekt erreicht werden.

Informations- und Aufklärungsmaterialien

Um passgenaue Angebote in Beratung und Sexualpädagogik umsetzen zu können, bedarf es barrierefreier Materialien. Mit Mitteln der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung wurden Broschüren in Leichter Sprache zu Beratung und Sexualpädagogik vom Bundesverband entwickelt und können dann in der Arbeit mit der Zielgruppe eingesetzt werden. Diese Broschüren finden Sie im Folgenden zum kostenlosen Download:
Ansprechpartnerin für das Projekt
ist Referentin Petra Schyma.
Sie erreichen Sie per Mail an Petra Schyma



Laden Sie unsere Broschüren kostenlos herunter. Sie finden die Dateien unten auf dieser Seite.